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Berufsunfähigkeitsversicherung: Warum sie unverzichtbar ist

Stellen Sie sich vor, Sie können morgen Ihren Beruf nicht mehr ausüben — wegen eines Bandscheibenvorfalls, einer Depression oder einer Krebserkrankung. Ihr Einkommen bricht weg, Ihre laufenden Kosten laufen weiter. Genau für dieses Risiko gibt es die Berufsunfähigkeitsversicherung — und trotzdem hat weniger als jeder dritte Erwerbstätige in Deutschland eine.

In diesem Ratgeber erfahren Sie alles, was Sie über die BU-Versicherung wissen müssen: Was sie genau ist, warum das Risiko viel höher ist als Sie denken, worauf Sie bei Abschluss unbedingt achten müssen und wie viel Rente Sie absichern sollten. Als unabhängiger Versicherungsmakler in Bremen beraten wir Sie persönlich zu Ihrer optimalen BU-Absicherung.

1. Was ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung — und was nicht?

Die Berufsunfähigkeitsversicherung — kurz BU — zahlt Ihnen eine monatliche Rente, wenn Sie Ihren zuletzt ausgeübten Beruf aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben können. Entscheidend ist: Es geht um Ihren konkreten Beruf, nicht um irgendeine Tätigkeit. Ein Chirurg, der nach einem Unfall nicht mehr operieren kann, gilt als berufsunfähig — auch wenn er theoretisch noch in einer Arztpraxis Sprechstunden halten könnte. Ein IT-Entwickler, der aufgrund psychischer Probleme nicht mehr programmieren kann, ist berufsunfähig — selbst wenn er körperlich noch in der Lage wäre, Regale einzuräumen.

Das unterscheidet die BU fundamental von der Erwerbsminderungsrente der gesetzlichen Rentenversicherung. Die EM-Rente zahlt nur, wenn Sie gar keiner Erwerbstätigkeit mehr nachgehen können — und zwar weniger als drei Stunden täglich für die volle und drei bis sechs Stunden für die halbe Erwerbsminderungsrente. Sie müssen praktisch für jeden Arbeitsmarkt der Bundesrepublik nicht mehr einsetzbar sein. Die BU dagegen schützt bereits dann, wenn Sie Ihren spezifischen Beruf zu mindestens 50 Prozent nicht mehr ausüben können — unabhängig davon, was Sie sonst noch machen könnten.

Ein weiteres häufiges Missverständnis: Die BU ist keine Unfallversicherung. Während eine Unfallversicherung nur bei Unfällen zahlt — und das oft nur als Einmalzahlung mit fragwürdiger Gliedertaxe — deckt die BU jede Krankheit und jeden Unfall ab. Psychische Erkrankungen, Rückenleiden, Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen: All das sind typische BU-Fälle, die eine Unfallversicherung nicht abdeckt. Die Statistiken zeigen das deutlich: Weniger als 10 Prozent der Berufsunfähigkeiten gehen auf Unfälle zurück — die große Mehrheit sind Krankheiten.

Auch ist die BU keine Berufskrankheitenversicherung und keine Dienstunfähigkeitsversicherung. Letztere ist Beamten vorbehalten und folgt eigenen, beamtenrechtlichen Regeln. Für Angestellte, Selbstständige, Freiberufler und Arbeiter ist die private BU-Versicherung das einzige Instrument, um das existenzielle Risiko des Einkommensverlusts durch Krankheit abzusichern.

2. Statistiken: Jeder Vierte wird berufsunfähig — was hinter dieser Zahl steckt

Die wohl bekannteste Zahl zur BU: Jeder vierte Arbeitnehmer wird im Laufe seines Arbeitslebens mindestens einmal berufsunfähig. Diese Zahl stammt aus den regelmäßigen Erhebungen der Deutschen Rentenversicherung und der Versicherungswirtschaft und ist in Fachkreisen als die „25-Prozent-Regel" bekannt. Aber was steckt konkret dahinter?

Schauen wir genauer hin: Laut der Deutschen Rentenversicherung scheiden jährlich rund 350.000 Menschen in Deutschland aufgrund von Erwerbsminderung oder Berufsunfähigkeit aus dem Arbeitsleben aus — und das ist nur die Spitze des Eisbergs, denn viele Betroffene erhalten gar keine gesetzliche Erwerbsminderungsrente, weil sie die strengen Voraussetzungen nicht erfüllen. Die privaten BU-Versicherer melden jährlich etwa 100.000 neue Leistungsfälle.

Die häufigsten Ursachen für Berufsunfähigkeit haben sich in den letzten Jahrzehnten dramatisch verschoben und stellen viele Klischees auf den Kopf:

📊 Die häufigsten BU-Ursachen im Überblick

Rang Ursache Anteil
1 Psychische Erkrankungen (Depression, Burnout, Angststörungen) ca. 31 %
2 Erkrankungen des Skelett- und Bewegungsapparats (Bandscheibe, Rücken, Gelenke) ca. 23 %
3 Krebserkrankungen und andere bösartige Geschwülste ca. 15 %
4 Herz- und Kreislauferkrankungen ca. 10 %
5 Unfälle (Verkehr, Freizeit, Haushalt) ca. 8 %

Das ist der entscheidende Punkt: Die Menschen werden nicht mehr wegen schwerer körperlicher Arbeit berufsunfähig, sondern wegen der psychischen Belastung in der modernen Arbeitswelt. Ein IT-Berater mit Burnout, eine Lehrerin mit Erschöpfungsdepression, ein Selbstständiger mit generalisierter Angststörung — das sind die typischen BU-Fälle von heute. Der viel zitierte Dachdecker, der vom Gerüst fällt, macht nur einen Bruchteil der tatsächlichen Leistungsbezieher aus.

Noch alarmierender: Das Durchschnittsalter bei BU-Eintritt liegt bei rund 47 Jahren. Das ist weit entfernt vom Ruhestand — die Betroffenen verlieren im Schnitt 20 Jahre Erwerbseinkommen. Wer mit 47 Jahren berufsunfähig wird und bis 67 kein Einkommen mehr erzielt und keine BU-Rente hat, verliert bei einem Nettoeinkommen von 2.500 Euro monatlich rund 600.000 Euro Lebenserwerbseinkommen. Diese Zahl macht klar: Die BU ist keine „Nice-to-have"-Versicherung, sondern eine existenzielle Absicherung.

3. Worauf Sie beim Abschluss unbedingt achten müssen

Eine BU-Versicherung ist ein komplexes Produkt mit vielen Klauseln, die im Leistungsfall über Annahme oder Ablehnung entscheiden. Die reine Beitragshöhe zu vergleichen, ist einer der größten Fehler, die Sie machen können. Hier sind die entscheidenden Qualitätsmerkmale, die jeder gute BU-Vertrag haben muss:

Abstrakte Verweisung — der größte Fallstrick

Die abstrakte Verweisung erlaubt es dem Versicherer, Sie im BU-Fall auf einen anderen Beruf zu verweisen — und zwar nicht nur auf einen, den Sie tatsächlich ausüben, sondern auf einen, den Sie theoretisch ausüben könnten. Ein Bäcker mit Bandscheibenvorfall könnte theoretisch an der Supermarktkasse sitzen; ein Fliesenleger könnte Bürotätigkeiten ausführen. Enthält Ihr Vertrag eine abstrakte Verweisungsklausel, kann der Versicherer die Rente verweigern — selbst wenn Sie Ihren erlernten Beruf nicht mehr ausüben können.

Faustregel: Ihr BU-Vertrag muss auf die abstrakte Verweisung verzichten. In modernen Tarifen ist dieser Verzicht Standard, aber in älteren Verträgen und Billigtarifen kann die Klausel noch enthalten sein. Prüfen Sie außerdem, ob auch die konkrete Verweisung ausgeschlossen ist — also der Versuch des Versicherers, Sie auf eine tatsächlich ausgeübte andere Tätigkeit zu verweisen, muss ebenfalls ausgeschlossen oder zumindest stark eingeschränkt sein.

Nachversicherungsgarantie — für ein dynamisches Leben

Ihr Leben ändert sich — Ihr Einkommen steigt, Sie heiraten, bekommen Kinder, kaufen ein Haus. Ihre BU-Rente muss mitwachsen können, ohne dass Sie erneut eine Gesundheitsprüfung durchlaufen. Dafür gibt es die Nachversicherungsgarantie. Sie erlaubt Ihnen, die BU-Rente zu bestimmten Anlässen (Heirat, Geburt, Gehaltserhöhung, Darlehensaufnahme) zu erhöhen — ohne erneute Risikoprüfung. Eine gute Nachversicherungsgarantie deckt mindestens folgende Ereignisse ab und erlaubt Erhöhungen bis zur doppelten Ausgangsrente oder bis zu einem Höchstbetrag von 2.500 bis 3.000 Euro.

Verzicht auf die Arztanordnungsklausel

Manche Verträge enthalten eine Klausel, die Sie verpflichtet, ärztlichen Anordnungen Folge zu leisten — etwa einer Operation, einer Rehamaßnahme oder einer bestimmten Therapie. Verweigern Sie das, kann der Versicherer die Rente kürzen. Moderne und gute Tarife verzichten auf diese Klausel oder schränken sie auf Fälle ein, in denen die Weigerung grob fahrlässig ist. Sie entscheiden über Ihren Körper — nicht der Versicherer.

Umorganisationsklausel für Selbstständige

Sind Sie selbstständig oder als Geschäftsführer tätig, prüft der Versicherer im BU-Fall, ob Sie durch betriebliche Umorganisation — etwa Delegation von Aufgaben an Mitarbeiter, Einstellung einer Hilfskraft oder Umstrukturierung Ihrer Tätigkeit — weiterarbeiten könnten. Gute Tarife haben eine Umorganisationsklausel nur in engen Grenzen oder gleich eine „Teilzeit-Klausel", die die Rente auch dann zahlt, wenn Sie Ihren Beruf noch teilweise ausüben können, aber nur mit reduzierter Stundenzahl.

Dienstobliegenheitsverletzung und Meldefristen

Achten Sie auf die Bedingungen zur verspäteten Meldung eines BU-Falls. Einige Tarife legen rigide Meldefristen fest, deren Verletzung zum Leistungsausschluss führen kann. Gute Tarife haben eine nachsichtige Regelung: Solange die verspätete Meldung nicht grob fahrlässig ist, bleibt der Versicherungsschutz bestehen. Auch die Rückwärtsversicherung — die Zahlung ab dem tatsächlichen Eintritt der BU und nicht ab der Meldung — sollte rückwirkend für mindestens drei Jahre erfolgen.

Weltweiter Schutz und Berufsunfähigkeit durch Kriege/Terror

Für Bremer, die beruflich oder privat viel reisen: Ihr BU-Versicherungsschutz sollte weltweit gelten, nicht nur in Deutschland. Auch bei Berufsunfähigkeit durch Krieg, Terroranschläge oder innere Unruhen sollte der Versicherer leisten — ein Klausel, die nicht alle Tarife enthalten. Wichtig: Der Ausschluss für „aktive Teilnahme an kriegerischen Handlungen" ist branchenüblich und in Ordnung.

4. Typische Fehler — und wie Sie sie vermeiden

Fehler 1: Nur auf den Preis schauen. Eine billige BU kann im Leistungsfall wertlos sein. Die Beitragsunterschiede zwischen einem guten und einem schlechten Tarif liegen oft nur bei 20 bis 40 Euro im Monat — im Gegenzug riskieren Sie bei einer versteckten abstrakten Verweisungsklausel oder einer harten Umorganisationsregelung den kompletten Leistungsanspruch. Vergleichen Sie immer die Bedingungen, nicht nur den Preis. Ein unabhängiger Makler kennt die Bedingungswerke der Anbieter genau und filtert schlechte Tarife heraus.

Fehler 2: Die Gesundheitsfragen falsch oder unvollständig ausfüllen. Das ist der teuerste Fehler überhaupt. Wenn Sie eine Vorerkrankung verschweigen oder bagatellisieren und der Versicherer das später im Leistungsfall herausfindet, kann er vom Vertrag zurücktreten oder die Rente verweigern — selbst dann, wenn die verschwiegene Erkrankung nichts mit der aktuellen Berufsunfähigkeit zu tun hat. Das gilt als Verletzung der vorvertraglichen Anzeigepflicht (§ 19 VVG). Lösung: Risikovoranfragen. Bevor Sie einen Antrag stellen, reichen Sie über einen Makler anonyme Risikovoranfragen bei mehreren Versicherern ein. Die Versicherer prüfen Ihre Gesundheitsangaben und geben ein verbindliches Votum ab, ohne dass eine Ablehnung bei der HIS (Hinweis- und Informationssystem der Versicherungswirtschaft) registriert wird.

Fehler 3: Zu spät abschließen. Je älter Sie sind, desto teurer wird die BU — und desto höher ist das Risiko von Vorerkrankungen, die zu Ausschlüssen, Risikozuschlägen oder einer kompletten Ablehnung führen. Der ideale Einstiegszeitpunkt liegt zwischen 20 und 30 Jahren — mehr dazu im nächsten Kapitel.

Fehler 4: Zu niedrige Rente wählen. Eine BU-Rente von 500 Euro ist so gut wie wertlos — sie deckt nicht einmal die Miete. Viele Versicherte wählen eine zu niedrige Rente, weil der Beitrag für eine angemessene Höhe auf den ersten Blick hoch erscheint. Bedenken Sie aber: Jeder Euro BU-Rente, den Sie im Leistungsfall monatlich erhalten, summiert sich über die Jahre zu substanziellen Beträgen. Lieber etwas weniger Beitrag in der Ansparphase und eine ausreichende Rente im Ernstfall.

Fehler 5: BU mit anderen Produkten kombinieren. Viele Versicherer bieten BUZ — Berufsunfähigkeits-Zusatzversicherungen — als Anhängsel zu einer Renten- oder Lebensversicherung an. Das ist selten eine gute Idee: Die Bedingungen der BUZ sind oft schlechter als die einer eigenständigen BU, die Kopplung macht den Vertrag unflexibel, und bei Kündigung der Hauptversicherung verlieren Sie auch den BU-Schutz. Trennen Sie beides: Altersvorsorge und Berufsunfähigkeitsschutz sind getrennte Baustellen und gehören in getrennte Verträge.

Fehler 6: Keine Dynamik einschließen. Eine BU-Rente von 1.500 Euro klingt heute vielleicht ausreichend. Aber in 20 Jahren ist die Kaufkraft dieser 1.500 Euro durch Inflation erheblich gesunken — bei 2 Prozent Inflation sind es nur noch rund 1.000 Euro in heutigem Geld. Eine Beitragsdynamik (meist 3 oder 5 Prozent pro Jahr) erhöht die BU-Rente automatisch, ohne erneute Gesundheitsprüfung. Sie können der Dynamik jederzeit widersprechen — aber Sie haben den Fuß in der Tür für automatische Erhöhungen.

5. Wann sollten Sie eine BU abschließen? Je früher, desto besser

Die Frage nach dem optimalen Einstiegsalter ist schnell beantwortet: So früh wie möglich. Idealerweise zwischen 20 und 30 Jahren — in diesem Alter sind die meisten Menschen noch weitgehend gesund, die Beiträge sind moderat, und der Schutz beginnt zu einem Zeitpunkt, an dem das Einkommen noch niedrig ist, aber die Verantwortung (Familie, Kredite, Verpflichtungen) im Laufe des Lebens wachsen wird.

Schauen wir uns die Beitragsunterschiede konkret an: Eine BU mit 1.500 Euro monatlicher Rente und Endalter 67 kostet bei Vertragsbeginn mit 25 Jahren als Bürokaufmann ohne Risikozuschläge rund 40 bis 60 Euro im Monat. Mit 35 Jahren sind es bereits 60 bis 90 Euro, mit 45 Jahren 90 bis 140 Euro — und die Wahrscheinlichkeit, dass Vorerkrankungen zu Ausschlüssen führen, steigt mit jedem Lebensjahr exponentiell.

Der Einstieg mit 20 bis 25 Jahren hat noch einen weiteren Vorteil: Sie sind zu diesem Zeitpunkt mit hoher Wahrscheinlichkeit in der günstigsten Berufsgruppe eingestuft. Büroberufe, kaufmännische Berufe und akademische Berufe zahlen deutlich niedrigere Beiträge als körperlich tätige Berufe (Handwerk, Pflege, Bau). Wechseln Sie später vom Handwerk ins Büro, können Sie eine Besserprüfung beantragen — dann sinkt der Beitrag. Umgekehrt ist es schwieriger: Wechseln Sie vom Büro ins Handwerk, sollten Sie das dem Versicherer melden, und der Beitrag kann steigen.

Ein häufiger Einwand: „Ich bin doch noch gesund, warum soll ich jetzt schon eine BU abschließen?" Der Denkfehler liegt darin, dass Sie eine Versicherung nicht für den Ist-Zustand abschließen, sondern für den Fall, den Sie heute noch nicht vorhersehen können. Niemand plant mit 25 Jahren, mit 35 an einer Depression zu erkranken oder mit 40 einen Bandscheibenvorfall zu erleiden. Genau darum geht es bei der BU: Sie sichern das Risiko ab, solange es noch versicherbar ist — und das ist es mit jedem Jahr weniger.

Für Studenten und Auszubildende gibt es besonders günstige Einstiegstarife. Viele Versicherer bieten Studenten- und Azubi-Tarife mit einem reduzierten Anfangsbeitrag an, der nach einigen Jahren schrittweise ansteigt. Wer mit 20 Jahren in eine solche Police einsteigt, zahlt in den ersten Jahren vielleicht nur 25 bis 35 Euro im Monat — und sichert sich trotzdem den Gesundheitszustand seines jungen Lebens fest. Nach dem Studium oder der Ausbildung wird die Rente dann über die Nachversicherungsgarantie ohne erneute Gesundheitsprüfung erhöht.

💡 Unser Tipp

Wenn Sie aktuell noch keine umfassende BU abschließen möchten oder können, sichern Sie sich zumindest die Option. Eine kleine BU mit 500 Euro Rente, die später über die Nachversicherungsgarantie erhöht wird, ist besser als gar keine. Sie frieren Ihren Gesundheitszustand ein und können bei Bedarf aufstocken. In einer kostenlosen Beratung finden wir den optimalen Einstieg für Ihr Alter und Ihre Situation.

6. Wie viel BU-Rente sollten Sie absichern?

Die Frage nach der richtigen BU-Rentenhöhe ist entscheidend — und sie wird häufig falsch beantwortet. Die pauschale Empfehlung, „etwa 75 bis 80 Prozent Ihres Nettoeinkommens" abzusichern, ist ein grober Richtwert, aber zu ungenau. Die tatsächlich benötigte Rente hängt von Ihrer individuellen Lebenssituation ab.

Rechnen wir schrittweise: Im Fall der Berufsunfähigkeit fallen bestimmte Kosten weg — Sie müssen nicht mehr zur Arbeit pendeln, sparen Berufskleidung und vielleicht Kosten fürs Mittagessen. Aber Sie brauchen trotzdem eine ausreichende Deckung für:

  • Fixkosten: Miete oder Finanzierungsrate, Strom, Heizung, Internet, Versicherungen, Telefon. In Bremen liegen die Warmmiete und Nebenkosten für eine durchschnittliche Wohnung bei 800 bis 1.200 Euro.
  • Lebensunterhalt: Lebensmittel, Kleidung, Mobilität, Freizeit. Rechnen Sie hier mit mindestens 500 bis 700 Euro.
  • Krankenversicherung: Im BU-Fall müssen Sie Ihre Krankenversicherung weiterzahlen — als gesetzlich Versicherter sind das rund 200 Euro, als Privatversicherter oft deutlich mehr.
  • Altersvorsorge: Die rentabelste Rente nutzt nichts, wenn Sie im Alter verarmen. Sie müssen auch im BU-Fall in Ihre Altersvorsorge weiter einzahlen — ein Posten, den 80 Prozent der BU-Berechnungen vergessen.
  • Eventuelle Mehrkosten: Eine Berufsunfähigkeit verursacht häufig zusätzliche Kosten — für Therapien, behindertengerechte Umbauten, Pflegehilfsmittel oder Haushaltshilfe.

Konkretes Rechenbeispiel: Sie haben derzeit ein Nettoeinkommen von 3.000 Euro. Ihre laufenden Kosten für Miete (1.000 €), Lebenshaltung (600 €), Krankenversicherung (220 €), Altersvorsorge (300 €) und sonstige Fixkosten (200 €) summieren sich auf rund 2.320 Euro — selbst wenn Pendelkosten und Berufsausgaben entfallen. Eine BU-Rente sollte diese Lücke so weit wie möglich decken. Empfohlen wären in diesem Fall 2.000 bis 2.500 Euro monatliche BU-Rente.

Ein häufig übersehener Punkt: Die Steuer auf die BU-Rente. BU-Renten sind steuerpflichtig — allerdings nur mit dem sogenannten Ertragsanteil, der vom Alter bei Rentenbeginn abhängt. Bei Rentenbeginn mit 45 Jahren müssen Sie rund 39 Prozent der Rente versteuern, bei Rentenbeginn mit 60 Jahren nur noch etwa 22 Prozent. Die Steuerlast ist also überschaubar, aber existent — berücksichtigen Sie sie bei Ihrer Bedarfsermittlung.

Für die richtige Rentenhöhe gibt es eine pragmatische Faustregel: Rechnen Sie mit 800 Euro als absolutes Minimum für eine bloße Existenzabsicherung ohne Komfort. 1.500 bis 2.000 Euro gelten als solide Basis für einen durchschnittlichen Lebensstandard in Bremen. Bei höheren Einkommen oder besonderen Verpflichtungen (Immobilienkredit, Kinder in Ausbildung) können auch 2.500 Euro und mehr angemessen sein. Wichtig: Die Höchstsumme ist begrenzt — die meisten Versicherer verlangen ein angemessenes Verhältnis zum Einkommen und setzen die maximale Rente bei etwa 80 Prozent des Bruttoeinkommens oder 60.000 Euro pro Jahr an.

📊 Orientierungstabelle: Empfohlene BU-Rente nach Nettoeinkommen

Monatsnetto Empfohlene BU-Rente Anteil am Netto
1.500 € 1.200 — 1.300 € 80 — 87 %
2.000 € 1.500 — 1.700 € 75 — 85 %
2.500 € 1.800 — 2.100 € 72 — 84 %
3.000 € 2.100 — 2.500 € 70 — 83 %
4.000 € 2.500 — 3.200 € 62 — 80 %
5.000 € 3.000 — 4.000 € 60 — 80 %

Die prozentuale Abdeckung sinkt mit steigendem Einkommen, da ein Teil der Kosten (z. B. Sparquote, Luxusausgaben) im BU-Fall entfallen kann.

Zusammenfassung: Ihre BU-Checkliste

BU verstehen: Sie schützt Ihren konkreten Beruf — nicht irgendeine Tätigkeit. Keine Verwechslung mit der gesetzlichen Erwerbsminderungsrente.
Risiko ernst nehmen: Jeder Vierte wird im Laufe des Arbeitslebens berufsunfähig. Psychische Erkrankungen sind die häufigste Ursache.
Auf Qualitätsmerkmale achten: Keine abstrakte Verweisung, Nachversicherungsgarantie, keine Arztanordnungsklausel, weltweiter Schutz.
Gesundheitsfragen korrekt beantworten: Risikovoranfragen stellen — keine Krankheit verschweigen. Ein Makler hilft beim anonymen Vorab-Check.
Früh abschließen: Je jünger und gesünder, desto günstiger der Beitrag. Idealerweise zwischen 20 und 30 Jahren. Studenten- und Azubi-Tarife nutzen.
BU von Altersvorsorge trennen: Keine BUZ an Rentenversicherungen koppeln — das ist teuer und unflexibel.
Rentenhöhe realistisch wählen: 75–80 % des Nettoeinkommens als Richtwert. Altersvorsorgebeitrag und Krankenversicherung nicht vergessen.
Dynamik einschließen: Eine 3-%-Dynamik schützt vor Inflation und Sie können jederzeit widersprechen.

Häufige Fragen zur Berufsunfähigkeitsversicherung

Was kostet eine gute BU-Versicherung? +

Das hängt von Beruf, Alter, Gesundheitszustand, Rentenhöhe und Laufzeit ab. Als grobe Orientierung: Ein 25-jähriger Bürokaufmann zahlt für 1.500 Euro BU-Rente etwa 40 bis 60 Euro monatlich, ein 35-jähriger etwa 60 bis 90 Euro, ein 45-jähriger 90 bis 140 Euro. Handwerker zahlen etwa 30 bis 50 Prozent mehr. Mit Risikozuschlägen für Vorerkrankungen kann der Beitrag steigen. In einer persönlichen Beratung berechnen wir Ihren individuellen Beitrag exakt.

Was tun, wenn ich Vorerkrankungen habe und abgelehnt wurde? +

Eine Ablehnung ist nicht das Ende. Es gibt spezialisierte Versicherer, die auch schwierigere Risiken annehmen — manchmal mit einem Risikozuschlag, einem Leistungsausschluss für bestimmte Erkrankungen oder einer verkürzten Laufzeit. Auch eine Erwerbsunfähigkeitsversicherung oder eine Grundfähigkeitsversicherung kann eine Alternative sein, wenn die BU komplett verwehrt bleibt. Zudem gibt es Aktionsangebote, bei denen Versicherer zeitweise auf die Gesundheitsprüfung verzichten oder sie vereinfachen. Ein erfahrener Makler kennt diese Nischenanbieter und Sonderaktionen.

Zählt die gesetzliche Erwerbsminderungsrente nicht? +

Die gesetzliche Erwerbsminderungsrente ist ein Tropfen auf den heißen Stein. Die durchschnittliche monatliche EM-Rente betrug zuletzt rund 900 Euro brutto — abzüglich Sozialversicherungsbeiträge bleiben netto etwa 800 Euro. Zudem muss der Antragsteller nachweisen, dass er weniger als drei bzw. sechs Stunden täglich irgendeine Tätigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt ausüben kann. Das ist bei einem Rückenleiden oder einer Depression extrem schwer nachzuweisen. Die BU ist weit überlegen — sie schützt Ihren konkreten Beruf, nicht nur Ihre Fähigkeit, irgendwie zu arbeiten.

Brauche ich als Beamter oder Student überhaupt eine BU? +

Beamte haben die Dienstunfähigkeitsversicherung (DU) — das Pendant zur BU. Ohne DU erhalten sie bei Dienstunfähigkeit vor einer bestimmten Dienstzeit nur eine geringe oder gar keine Versorgung. Studenten haben oft noch kein Einkommen, aber der BU-Abschluss in jungen Jahren sichert den guten Gesundheitszustand zu einem Zeitpunkt, wo die Beiträge extrem günstig sind. Nach dem Berufseinstieg wird die Rente dann über die Nachversicherungsgarantie erhöht. Studenten-Tarife starten oft bei nur 25 bis 35 Euro im Monat.

Schützen Sie Ihre Arbeitskraft — jetzt

Ihre Arbeitskraft ist Ihr wertvollstes Kapital. Eine Berufsunfähigkeitsversicherung schützt Sie vor dem existenziellen Risiko, durch Krankheit Ihr Einkommen zu verlieren. Lassen Sie uns in einem kostenlosen und unverbindlichen Gespräch Ihre persönliche Situation analysieren und den optimalen BU-Tarif für Sie finden — mit Risikovoranfragen, Marktvergleich und transparenter Beratung. Auf Deutsch oder Türkisch.

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